Injera – Nationalgericht Äthiopiens

Injera ist ein aus Sauerteig bestehendes Fladenbrot, das vorwiegend in Äthiopien und Eritrea gegessen wird. Während hier zu Lande Brot meist nur als Beilage gereicht wird, stellt es in Äthiopien das Hauptnahrungsmittel dar. Es ist die Grundlage praktisch jeder Mahlzeit. Dazu werden traditionell verschiedene Fleisch- und Gemüsesoßen gereicht, die sogenannten „Wott“.


Nach äthiopischer Sitte werden mit den Fingern Stücke vom Brot abgerissen und die unterschiedlichen Soßen eingerollt oder aufgetunkt. Besteck findet man nur selten an äthiopischen Tischen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man reich oder arm ist. Das Injera übernimmt die Funktion von essbarem Teller und Besteck, die Finger erledigen den Rest. Aus hygienischen Gründen wird zum Essen nur die rechte Hand genutzt. Als besonderer Ausdruck der Höflichkeit gilt es, seinem Sitznachbarn eine Portion direkt in den Mund zu schieben.

Die traditionelle Zubereitung von Injera

Das Nationalgericht Injera wird ursprünglich aus “Teff” zubereitet. Diese glutenfreie Getreideart, die auch “Zwerghirse“ genannt wird, kommt bei uns nicht vor. Auch in Äthiopien wird inzwischen oft Weizen-, Gerste- oder Reismehl mit dem Teff gemischt. Teff wächst nur unter bestimmten klimatischen Bedingungen und kommt in vielen äthiopischen Gegenden, wie zum Beispiel im Hochland, nicht vor. Dementsprechend ist es etwas teurer als andere Getreidesorten. Je nachdem welches Mehl verwendet wird, ändert sich der Geschmack des Brotes.

Im Original wird mit Teffmehl ein Sauerteig angesetzt, der 3 Tage lang fermetieren muss. So entsteht der charakteristische säuerliche Geschmack der Injera. Die Vor- und Zubereitung des Sauerteigfladens ist mangles Elektrizität und technischer Hilfsmittel deutlich langwieriger als bei uns. Die Zutaten müssen im Mörser oder mit einem Mahlstein zerkleinert werden, es muss Holz gesucht und Feuer gemacht werden, etc. So wird ca. zweimal die Woche auf Vorrat gebacken.

„Backen“ ist hier jedoch nicht der richtige Ausdruck. Die Injera werden nicht im Ofen, sondern in speziellen Pfannen zubereitet. Dabei werden sie mehr gegart als gebacken. So entsteht unter anderem keine brottypische Kruste. Insgesamt unterscheidet sich Injera optisch vom uns bekannten Brot. Die Konsistenz ähnelt der von Eierkuchen, das Aussehen erinnert an einen Schwamm, und auch die graue Farbe der Teigfladen wirkt auf den ersten Blick nicht sehr appetitlich. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Das Brot ist ein Genuss und bietet die Möglichkeit sich in die afrikanische Ess-Kultur einzufühlen. Insgesamt gilt, je heller das Brot desto hochwertiger das verwendete Mehl.

Injera zum Selbermachen

Injera-Rezepte findet man auf diversen Internetseiten. Aus geschmacklichen Gründen wird oft von der Verwendung von Sauerteig abgeraten und die Zutaten auf Weizenmehl und Hefe reduziert. Wenn man möchte, findet man aber auch Originalrezepte. Diese stellen einen jedoch vor das Problem der Teffmehl-Beschaffung und sind um einiges komplizierter und zeitaufwendiger.
Für diejenigen, die gerne im richtige Ambiente in die afrikanischen Esstraditionen eingeführt werden möchten und den Weg in den entfernten Kontinent scheuen, ist ein Besuch in einem afrikanischen Restaurant empfehlenswert. Nicht nur geschmacklich, sondern auch atmosphärisch oftmals ein Erlebnis.

Injera – Nationalgericht Äthiopiens

Hinterlasse eine Antwort