Amnesty International setzt Hoffnung in Mauretanien

Im westafrikanischen Mauretanien herrschen trotz aktiver Hilfe von Amnesty International noch immer kritische Zustände: Folter und Misshandlungen, Diskriminierung und Sklaverei. Im Jahresbericht von 2010 werden zwar Fortschritte verschrieben, dennoch bleibt viel zu tun in der Islamischen Republik.

Mauretanien, Nouakchott - Amnesty International Flickr / LenDog64

Das Land Mauretanien und seine Bevölkerung

Mauretanien liegt im Nordwesten Afrikas an den Grenzen zu Algerien, Mali, Senegal, der marrokanischen Westsahara und dem Atlantik. Das Land zählt 3,3 Millionen Einwohner auf einer fast dreifachen Fläche von Deutschland. Die Amtssprache ist Arabisch (Hassania-Dialekt), es werden aber außerdem Pulaar, Wolof und Soninke und noch immer Imeraguen und Zenaga gesprochen. Französisch ist Bildungssprache. Die meisten Einwohner sind sunnitische Muslime malikitischer Richtung.

Vom Nomadentum zur problematischen Urbanisierung

Seit den sechziger Jahren hat sich die Bevölkerung vom Nomadentum zu einer rasant wachsenden Stadtbevölkerung um die Hauptstadt Nouakchott gewandelt. Doch diese unkontrollierte Urbanisierung bringt nicht nur Gutes. Durch einen akuten Wassermangel und ein Defizit an Wohnraum herrschen oft untragbare Lebensumstände. Die ethnische Vielfalt ergibt eine Mischung aus arabischen, berberischen und schwarzafrikanischen Völkergruppen, unter denen Diskriminierung und Sklaverei herrschen.

Trotz einer Schulpflicht und einer Universität in der Hauptstadt ist das Bildungsniveau schlecht. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben. Ungeachtet des Verbots der Beschneidung bei Mädchen bleibt diese Verstümmelung weiblicher Genitalien in einigen ethnischen Gruppen traurige Tradition.

Geschichte und politische Situation Mauretaniens

Seit der berberischen und maurischen Besiedlung, der Kolonialzeit und der Unabhängigkeit von Frankreich durchlebte das Land zwei Mal einen Militärputsch. Der Putsch 2005 führte zum neuen demokratisch gewählten Präsidenten Sidi Mohamed Ould Cheikh Abdallahi und der Islamischen Präsidialrepublik. Doch schon 2008 kam es erneut zum Militärputsch. Daraus bildete sich ein selbsternannter „Staatsrat“ aus elf Angehörigen der Armee, der vom ehemaligen Kommandeur der Präsidentengarde, General Mohamed Ould Abdel Aziz, angeführt wurde.

Am 18. Juli 2009 fanden das erste Mal unter internationaler Beobachtung wieder Präsidentschaftswahlen statt, die Abdel Aziz als Staatsoberhaupt bestätigten. Viele der anderen acht Kandidaten warfen ihm jedoch Wahlbetrug vor. Regierungschef ist Moulaye Ould Mohamed Laghdaf. Das Land wurde wieder in die Afrikanische Union (AU) aufgenommen.

Amnesty International: Bericht 2010

Die Hilfsorganisation Amnesty International kämpft seit langem engagiert für Menschenrechte in der ganzen Welt. Unter dem Motto „Aufdecken-Informieren-Handeln-Verändern“ arbeitet die Plattform mit öffentlichem Druck gegen soziale und politische Ungerechtigkeit. Der Bericht deckt die aktuelle Situation Mauretaniens auf und problematisiert die stetige Verletzung von Menschenrechten im Land.

Aus dem Bericht 2010 geht hervor, dass zwar kleine Erfolge zu verzeichnen seien – beispielsweise, dass nach der eigentlich abgeschafften Todesstrafe keine Hinrichtungen mehr durchgeführt wurden. Jedoch existiert weiterhin viel Gewalt gegen Demonstranten und Menschenrechtler. Die Gefängnisse sind überfüllt, oft durch willkürlich verhängte Strafmaßnahmen. Außerdem herrscht Folter und Misshandlung gegen Inhaftierte. Die Proteste um die Wahlen 2009 wurden brutal niedergeschlagen, sogar ehemalige Ministerinnen und Menschenrechtlerinnen wurden von Sicherheitskräften misshandelt.

Gewaltlose politische Gefangene wurden teilweise befreit. Viele Flüchtlinge sind seit 2009 nach Mauretanien zurückgekehrt. Die anhaltende Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung Mauretaniens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bleibt ein Problem, das Mauretanien mit Hilfe von Amnesty International lösen kann und muss.Similar Posts:

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